Montag, 25. Februar 2019

Grün

von Nora Poppensieker

Ich schließe meine Augen, sehe einen großen, dunkelgrünen Farbklecks am unteren Ende der Leinwand, Hookersgrün. Auf einmal schwingt ein roter Schwall Farbe quer über die Leinwand, von der unteren Seite zur gegenüberliegenden oberen Ecke. Und damit nicht genug: Zarte Tropfen der roten Farbe träufeln sanft diesen Farbschwall hinunter, in Richtung des dunklen Hookersgrün: Beginnend in echtrot, ändern die Tropfen ihr Erscheinungsbild über orange zu gelb, werden zunächst grasgrün und landen dann in dem Dunkelgrün des Farbklecks am Bildrand.
Und wo bin ich? Ich scheine mitten im Geschehen zu sein, strecke meinen Kopf, um einige Tropfen abzufangen. Ich spüre, wie ein gelber Farbtropfen auf meiner Stirn landet, langsam meine Nase herunter läuft, wobei er immer grüner wird. Der Tropfen rollt über meine Nasenspitze, landet auf den Lippen, die er zart umrundet. Er kitzelt mich. Ich strecke meine Zunge ihm entgegen, lecke ihn auf.
Mein ganzer Körper fühlt nun, wie es grün durch ihn hindurch strömt, mein Mund fühlt sich schon ganz grün an. Angenehmes Grün fließt bis in meine Fingerspitzen.

Beeile Dich, nimm mich in den Arm, gib mir einen Kuss auf den Mund, schmecke das Grün und fühle, wie es dann in Dir aufstrebt!
Und, ist es nicht ein tolles Gefühl?! Gib mir nun noch einen weiteren Kuss, lass uns noch mehr von dem Grün schmecken!

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