Freitag, 28. März 2008

Rollis in Bus und Bahn

von Arne Hauschild

Ich bin jeden Tag mit dem Rollstuhl in Bus oder Bahn unterwegs. Meistens fahre ich von meiner Wohngruppe
aus nach Altona ins Mercado, um da Besorgungen zu machen und einzukaufen.
Dabei rege ich mich manchmal über etwas auf: Es passiert immer wieder, dass die Leute nicht gucken, wenn ein Rollstuhl kommt, sondern einfach reingehen.
Ich stehe vor der Bushaltestelle, die Leute sehen, dass der Busfahrer die Rampe rausklappt und gehen trotzdem als erstes rein.
Es regt mich auch auf, wenn die Leute motzen,wenn ich mal nicht schnell genug in den Bus reinkomme.

Ich habe es aber auch mal anders erlebt. Ich war in der Disco in Schenefeld gewesen und hatte danach am Bahnhof Othmarschen den letzten Einser-Bus verpasst. Aber dann hat ein anderer Busfahrer es schnell mit seiner Dienststelle abgeklärt und auf sein Busschild "Leerfahrt" geschrieben - und da bin ich dann als einziger Fahrgast mit seinem Bus mitgefahren. Das war wirklich nett und freundlich von ihm. Ich suche heute noch nach dem Busfahrer, weil ich dem endlich mal was geben will. Denn eigentlich ist das, was er gemacht hat, ja verboten.

Manchmal treffe ich unterwegs auch nette Leute, mit denen ich mich mal unterhalten kann. Mütter mit Kinderwagen lasse ich im Bus meistens vor oder neben mich. Dann freuen die sich.

„Vereinsamst Du mir auch nicht?!"


von Nora Poppensieker

Darauf muss ich ganz bestimmt sagen: „Nein, Eli, ich vereinsame (Dir) ganz bestimmt nicht!" Wobei „Eli" meine Mutter ist. Und die hat ständig Angst, ihre kleine Tochter Nora könnte ihr vereinsamen! Immerhin wohnt die ja ganz alleine, nicht in einer WG oder so, und dann arbeitet sie noch nicht einmal!

Gut, ich muss schon zugeben, dass ich mich schon wirklich freue, wenn ich anfangen werde zu arbeiten. Ich werde (erst) im kommenden Juli mit meiner Arbeit beginnen, in der Elbewerkstatt4. Stimmt, es handelt sich hierbei um eine Behindertenwerkstatt, um eine WfbM, um eine Werkstatt für behinderte Menschen. An sich denke ich schon, eigentlich „mehr" zu können. Wenn man sich beispielsweise meine mathematischen Fähigkeiten anschaut, dann kann man ganz schön erstaunt sein. Ich wurde auch gerade erst gefragt, wieso ich denn in einer Behindertenwerkstatt arbeiten würde und nicht auf dem freien Markt?! In diesem Moment wusste ich auch nicht so recht die Antwort, doch nun hatte mich mein Vater darauf hinweisen müssen, dass mir mein Gedächtnis einen großen Strich durch die Rechnung macht. So hatte ich ihm etwas erzählt, was ich ihm (anscheinend) schon kurz zuvor erzählt hatte, weiß aber überhaupt nichts mehr davon. Aber der Grund, warum ich mich auf die Arbeit freue, ist vor allem, dass ich da unter Menschen kommen werde.

Gut, ich hatte ja schon geschrieben, dass ich mich momentan häufig Sonntag mit Freunden Harburger Bolero treffe, da ich da so gern hingehe. Dementsprechend kannst Du, Eli, Deine Bedenken gern wieder abstellen – Ich vereinsame hier nicht! Und die, mit denen ich im Bolero war, sind noch nicht einmal meine einzigen Freunde!
Aber ich denke, vielleicht sollte ich meine Freunde besser warnen?! – Immerhin besteht ja eventuell die Möglichkeit, dass meine Einsamkeit ansteckend ist...

Die Lichtenstein Affäre

von Johannes Plomitzer

Ich habe neulich eine Sondersendung zum Thema Steuerhinterziehung in Ländern, wie in der Schweiz, Österreich und Lichtenstein gesehen. Hier wurde gezeigt, wie Personen Stiftungen gründen, die es aber in der Wirklichkeit gar nicht gibt, um so Steuergelder zu hinterziehen.
Ehrlich gesagt ich finde das Verhalten das allerletzte. Mir wurde speiübel, als ich das gehört habe.
Es werden in Deutschland doch auch alle Konten kontrolliert, warum nicht auch in Lichtenstein oder in der Schweiz. Ich finde es absolut ungerecht das Stiftungen gegründet werden, z.B. für krebskranke Kinder, diese aber nur für das Hinterziehen von Steuern genutzt werden.
Das man Gras kaufen kann in Holland finde ich nicht so schlimm, aber diese Art von Steuerhinterziehung ist nicht hinnehmbar, geradezu dreist.

Ich würde dafür sorgen, dass Kontrolleure in die Schweiz und Lichtenstein fliegen und alle Konten überprüfen. Sie sollten alle lebenslänglich kriegen und obendrauf 700.000,- Euro, noch besser 1 Million Strafe zahlen.

Mittwoch, 19. März 2008

Mein Herzenswunsch

von Nora Poppensieker

Ein wirklich großer Wunsch von mir ist es, ein Kind zu bekommen. Z. B. merke ich das, wenn ich sehe, wie glücklich meine Schwester mit ihrer neuen, kleinen Familie ist. – Sie bekam im Juni letzten Jahres ihren Sohn und der macht sie und ihren Freund wirklich – selbstverständlich – sehr glücklich.
Allerdings gibt es da (noch) so einige Gründe, die dagegen sprechen, dass auch ich ein Kind bekomme, leider: Zum einen fühle ich mich mit meinen 26 Jahren, die ich demnächst erreichen werde, noch zu jung. Zum anderen habe ich mich von meinem Motorragunfall noch nicht genug rehabilitiert und finde mich einfach (noch?) zu behindert. Na, und diese beiden Gründe bestärken bei mir die Angst, sollte ich wirklich ein Kind zur Welt bringen, dass sich meine Eltern ununterbrochen darum kümmern müssten, dass ich das allein nicht schaffte.

Ach, und weiterhin fehlte mir auch noch der passende Partner, der „werdende Vater“. Dazu könnte ich allerdings schreiben, dass ich, fände ich einen Vater wie meinen vorherigen Ex-Freund, wie Patrick, meine Behinderung gar nicht als so tragisch betrachten würde. Patrick war selbst Vater und daher weiß ich, wie viel Wert ihm sein Sohn ist, dass er alles für ihn täte. Er war auch nicht behindert, so wie ich, obwohl ich ihn in meiner Bremer Reha kennen lernte, er könnte also so ziemlich alles für dieses neue Kind tun und täte dies sicherlich auch! Dann müssten sich meine Eltern sicher nicht (so stark) um das Kind kümmern, dann nicht. Also, dann eigentlich überhaupt nicht, da bin ich mir sicher.

Aber wie gesagt: Noch bin ich als Mutter zu jung und für jeden „normalen“ Mann wäre ich zu behindert. Also kann ich mir diesen Traum wohl nicht erfüllen. Leider wohl nie, da ich – wenn ich mich genug rehabilitiert fühlen werde – sicherlich schon zu alt für ein Kind sein werde. Und ein passender Vater müsste zunächst wohl auch noch ein zweites Mal existieren.

Ein schönes Erlebnis

von Dennis Seidel

Ich sitze mit den anderen am Abendbrotstisch.
Erich isst ein Käsebrot.
Nach dem Abendbrot machen Thomas und Paddy die Küche.
Ich mache mir Musik an und kuschele mich an Claudia.
Drüben singt Markus.
Morgen fahre ich wieder zum Seminar nach Bad Segeberg.
Claudia, Kay, Matthias und Eckart aus meiner Werkstatt
machen auch mit.
Ich nehme Claudia an mich.
Claudia ist schön weich.
Dann klopft Bernd an.
Ich mache das Rollo runter.
Draußen scheint der helle Mond rein.
Ich decke mich zu und mache mir mein Lieblingslied
Non C´e von Laura Pausinian.
Ich kuschele mich an Claudia.
Da habe ich noch in der WG Cremon gelebt.

"Nur" ein Freund

von Nora Poppensieker

Doch, Marco und Carsten sind "nur" Freunde von mir. Wobei das Wort "nur" hier besser gestrichen werden sollte. Ich denke schon, dass eine Freundschaft sehr viel Wert ist und nicht so einfach mit dem Wort "nur" abgespeist werden sollte. Es ist so etwas Großes!
Ich dachte vorher auch nicht, dass es so etwas gibt, "nur" Freundschaften zwischen Männern und Frauen, aber jetzt weiß ich es. Die gibt es nämlich! Marco und Carsten sind noch nicht einmal meine einzigen männlichen Freunde, die ich habe. So ist da beispielsweise auch Manuel Sarrazin, auch ein Freund von mir. Bin ich mir da auch wirklich sicher, dass da auch nicht noch „mehr“ zwischen uns ist? Keine weiteren Gefühle? "nur" Freundschaft? (Immerhin bin ich ja – bekanntlicher Weise– weiblich, während Manuel doch männlich ist...) – Ja, sicher bin ich mir da. Absolut! Und das kann ich mir sogar auch sein, da ich seine Freundin wirklich außerordentlich gern habe! Und weder bei Manuel, noch bei Carsten oder Marco wären sexuelle Hintergedanken vorhanden. Da gehe ich zumindest mal ganz stark von aus.
Bei mir ist dies jedenfalls nicht der Fall.

Ja, und auch mit Carsten und Marco bin ich „nur“ befreundet. Wir hatten sogar schon das Gespräch darüber, ob es denn auch Freundschaften zwischen Frauen und Männern gäbe. Gut, ich muss zugeben, dass ich damals noch der Meinung war, die gäbe es nicht so wirklich, aber jetzt weiß ich es besser. Daher wollten wir auch am vergangenen Sonntag gemeinsam ins Harburger „Bolero“ gehen. Nur leider wurde ich dann krank und musste so unser Treffen in letzter Minute absagen. Hier sollte ich aber noch schreiben, dass ich wirklich unheimlich gerne ins Harburger Bolero gehe. Eine Woche zuvor war ich da mit dem besagten Manuel und seiner Freundin. (Wenn ich denken würde, es sähe einer der dreien diesbezüglich eher anders, würde ich mit ihnen auch nicht so unbedingt (noch einmal) zum Bolero gehen wollen.)
Gut, ich war (unfallbedingt) zuvor immer wieder neu verliebt gewesen. Da konnte daher kommen, wer wollte, ich war verliebt.
Meine Mutter spricht in diesem Zusammenhang immer von meinem „neuen, kitschigen Charakter“, den ich seit dem Unfall hätte. Aber kann man von „kitschig“ reden, wenn man weiß, dass rosa meine neue, absolute Lieblingsfarbe ist? – Ich sehe das zumindest nicht so.

Gut, man kann wirklich von einem „missratenem Geschmack“ reden, wenn man sich meinen ehemaligen Freund anschaut und dabei an meine Verliebtheit denkt. Die war nämlich (komischer Weise) enorm groß! So hatte ich ihm auch (dummer Weise) ständig Geld geliehen. Zwar handelte es sich hierbei „nur“ um so etwa 20 €, aber das summiert sich dann und insgesamt schuldet er mir nun etwa 150 €.
Nun ist es zum Glück anders. Ich dachte, dies sei seit diesem eben genannten Ex-Freund so, oder auch seit meinem vorherigen, den ich auch nach meinem Unfall hatte, aber ich musste erkennen, dass ich mich dann doch wieder neu verliebt hatte. Na, da kann ich nur sagen, dass es ein wahres Glück war, dann zufällig im Zug einen Freund von mir (aus meiner Bremer Reha) noch getroffen zu haben, der mir diese neue Verliebtheit sehr erfolgreich ausgeredet hatte. (Und ja, auch hierbei handelt es sich „nur“ um einen Freund.) Und ich bin noch nicht einmal in ihn verliebt, obwohl ich mit ihm (, seiner Freundin und seiner süßen Tochter) Sylvester gefeiert hatte. Und ich weiß, dass das früher noch nicht in dieser Form ausgegangen wäre. Aber hier muss ich auch sagen, dass er ein wirklich goldiges, kleines Mädchen mit seiner tollen(!) Freundin hat.

Weiterhin muss ich darauf hinweisen, dass mir dieser Freund mit seinen 38 Jahren, die er dieses Jahr erreichen wird, auch schon viel zu alt ist, zumindest für eine intimere Beziehung. – immerhin sind das 12 Jahre mehr, als ich es habe. Nein, ich stehe nicht unbedingt auf „Jungspunde“, obwohl mein vorheriger Freund 2 Jahre jünger war, als ich es bin. Aber 12 Jahre? –ganz so viel muss es dann doch nicht sein...